Opel Rekord D 2100 D

erschienen in der Auto Motor Sport vom 17.03.1973

Ein Hoch der Gemütlichkeit

Opel liefert den Rekord Diesel auch mit Automatik. Wird das 60 PS-Auto damit zu langsam?

Während Opel üblicherweise auf größere Zulassungsanteile erpicht ist, zielt die Rüsselsheimer Verkaufspolitik mit den neuen Rekord Diesel-Modellen auf eine Marktnische, die zur Zeit nur etwa 3% des gesamten deutschen Personenwagenbestandes umfaßt. Ein größeres Kontingent nämlich vermochten die Limousinen mit selbstzündenden maschinen trotz eines anhaltenden Verkaufserfolges nicht zu erobern.

Dennoch kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Verkaufsstrategen von Opel es mit diesem Angriff unbedingt ernst meinen.

Sie dokumentieren das mit dem Angebot zusätzlicher Extras, wie sie auch die heimische Konkurrenz vorweisen kann. So wird die Diesel-Ausführung als einziger Rekord auch mit Servolenkung geliefert, und ferner propagiert Opel nachdrücklich die Tatsache, daß der Rekord Diesel mit Automatik erhältlich ist.

Zwar entfernen sich die Wagen durch kostspielige Zutaten dieser Art vom eigentlichen Diesel-Ideal, das nach größter Wirtschaftlichkeit strebt, doch andererseits hat sich an der Verkaufsfront stets gezeigt: Gewisse Bedienungserleichterungen machen bestimmten Käuferschichten das Diesel-Auto schmackhafter.

Namentlich die Automatik vereinfacht manchem den Umgang mit der fremdartigen Maschine. Auch kommt sie einer Schicht traditioneller Diesel-Käufer entgegen: Taxifahrer schätzen solche Getriebe - nicht nur wegen der Bequemlichkeit, sondern mehr noch wegen des geringeren Reparatur-Risikos.

Im Fahrbetrieb freilich bleibt kein Zweifel daran, daß der Einsatz einer Automatik im Rekord Diesel eine weitere Reduzierung des ohnehin nicht überschäumenden Temperaments mit sich bringt.

Bis zum Erreichen der Betriebstemperatur darf man hier nur mit extrem gedrosseltem Vorankommen rechnen, und selbst wenn sich die nötige Wärme eingestellt hat, bleibt das Anfahren aus dem Stand doch immer recht behäbig.

Auch das Bewältigen von Steigungen gelingt dem Automatik-Diesel nur mit Mühe, hier lassen sich auf dem Tacho meist nur recht bescheidene Werte registrieren.

Schließlich sollte man auch die Ansprüche an die Höchstgeschwindigkeit nicht sehr hoch schrauben.

Ließ sich der geschaltete Rekord Diesel noch zu minteren 141 km/h herbei, so muß sich der Pilot des Automatik-Diesel mit 130 km/h Spitze begnügen.

 

Trotz dieser Eigenschaft verläuft die Fahrt im Rekord Diesel Automatik insgesamt nicht sehr viel geruhsamer als mit dem handgeschalteten Ausgangsprodukt. Denn auch mit Automatik ist der Rekord Diesel noch temperamentvoller als seine Konkurrenten:

  Opel Rekord D 2100 D Opel Rekord D 2100 D Automatic Peugeot 504 D Mercedes 220 D
0 - 100 km/h 23,6 s 25,6 s 27,5 s 28,3 s

Im Treibstoffkonsum macht sich die Automatik naturgemäß bemerkbar; das Automatik-Auto konsumiert im Schnitt gut einen Liter Diesel mehr als die Version mit mechanischem Getriebe. Viel ist es insgesamt nicht: man muß durchschnittlich mit 11,9 Liter/100 km rechnen.

Der Preis des Autos geht mit der Automatik auch in die Höhe: Der Rekord Diesel kostet dann einschließlich Servolenkung fast DM 14.500,--.

Daß Opel plötzlich auch ein Auto mit Dieselmotor intensiv kultiviert, legt die Vermutung nahe, man spekuliere hier auf mehr als nur auf eine zusätzliche, schmale Marktposition. Vielmehr lassen die günstigen Abgaswerte beim Dieselmotor und die im Zuge weiterer Entwicklung unweigerlich fallende Kraftausbeute bei Otto-Maschinen den Schluß zu, daß hier ein Versuchskaninchen für die in den späten siebziger Jahren auf General Motors zukommende Abgasentgiftung in der Freiheit erprobt werden soll.