Opel Omega A Caravan CD 2.0 i

erschienen in der mot vom 29.04.1989

Reifeprüfung

Was haben Schwarzwaldklinik und Omega Caravan gemeinsam?
Beide gaben zum Frühjahrsbeginn 1989 ihre Abschiedsvorstellung, die eine vor treuer TV-Gemeinde, der andere nach gründlichem Dauertest in Diensten der mot-Redaktion.

Was hatten Schwarzwaldklinik und Opel Omega gemeinsam? Als mot im Februar 1988 als erste Autozeitschrift in Deutschland den neuen Omega, eine 2.0i-Limousine in GL-Version, einem 60.000 km-Dauertest unterzogen hatte, gabs ein Abschiedsfoto vor eben jener Heilstätte, verbunden mit den Wünschen auf gute Besserung.

Der Dauerlauf mit Hindernissen fand in zahlreichen Leserzuschriften und Anrufen von Omega-Fahrern seine Bestätigung. mot reagierte schnell: bereits im September 1987, noch vor Abschluß des Tests, diskutierten in einem Hearing in Rüsselsheim mot-Leser, mot-Redakteure und die Opel-Führung öffentlich über die Qualitätsprobleme des Omega seit seinem Serienstart.

Auch Opel reagierte schnell. In der zweiten Runde bezogen im Januar 1988 die Chef-Techniker nochmals Stellung und berichteten über verschiedene, bereits kurzfristig in die Serie eingeflossene Modellpflege-Maßnahmen. Für die Opel-Leute stand fest: "Der Omega ist jetzt ein absolut zuverlässiges Auto, wir haben unglaubliche Anstrengungen unternommen."

Damit war Runde drei praktisch eingeläutet. Am 10. Mai 1988 übernahm mot einen neuen Testwagen. Wieder einen Omega, wieder mit dem bekannten Zweiliter-Triebwerk, wieder über 60.000 km-Distanz. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Um es vorwegzunehmen: am hervorragenden technologischen Konzept des Omega hatte es in der mot-Redaktion zu keiner Zeit Zweifel gegeben. Auch die meisten Omega-Käufer äußerten sich trotz berechtigter Detailkritik überzeugt, im richtigen Auto zu sitzen.

Wie sieht nun, ein Jahr später, die Bilanz aus? Gilt für den Rekord-Nachfolger das Schlagwort: Opel - der Zuverlässige? 

Um zusätzliche Eindrücke zu sammeln, fuhren wir die in der Käufergunst immer beliebter werdende Kombiversion (Verkaufsanteil mittlerweile 40% im Omega-Programm). Und anstelle des sonst üblichen 30.000 km-Zwischenberichts stellte sich der Omega-Caravan einem Vergleich mit seinem jüngsten Kontrahenten, dem VW Passat Variant. Unser Testwagen mit CD-Ausstattung stand zu Beginn des Dauertests im Mai 1988 mit einem Grundpreis von DM 36.840,-- in der Liste; bei ihm ist unter anderem das wichtige und teure ABS-Bremssystem bereits serienmäßig.

Auch ein Bordcomputer, die Zentralverriegelung und das Opel-Radio SC 303 mit Scheibenantenne und Verstärker sind im CD-Paket bereits enthalten.

Zusätzlich zur ohnehin reichhaltigen Ausstattung hatte der Testwagen noch Komfort-Extras, die sich zu knapp DM 9.000,-- addieren. Standard sind für den Caravan CD so nützliche Details wie Dachreling, Gepäckraumabdeckung und Ladenetz.

Als besondere Zugabe gibt es schließlich noch eine automatische Niveauregelung. Mit soviel Serienkomfort kann nicht einmal das Omega-Topmodell Caravan 3.0i aufwarten (mechanische Niveauregelung).

Den Dauertest nahm "der Neue" in Angriff, als hätte es zuvor nie Probleme gegeben. Die ersten Extra-Kosten leistete er sich beim Kilometerstand 5558: DM 36,-- für eine Schweizer Autobahnvignette. Die erste Kritik fand sich im Fahrtenbuch zu einem Punkt, der bei der Limousine (mit Klimaanlage) gar nicht zur Debatte gestanden hatte. "Auf der Fahrerseite wird es im Fußraum - auch bei eingeschalteter Frischluftzufuhr - unangenehm warm." Ein Minuspunkt allerdings, der in der Folge den Testern noch öfters Verdruß bereiten sollte.

Kurzeinschätzung zum Omega nach 10.000 km: sehr zuverlässig, keine Detailprobleme mit der Verarbeitung. Buchstäblich ins Rollen gebracht hatte die mot-Kritik an der Omega-Limousine seinerzeit ein Mangel mit Folgen: die ungenügende Feststellwirkung der Handbremse versetzte erst den abgestellten Testwagen, dann die (Reparatur-) Kosten in Bewegung. Daß dies kein Einzelfall war, zeigten sowohl die Werkstatterfahrungen als auch das Rüsselsheimer Hearing: "...bezüglich der Funktion haben wir die gesetzlichen Vorgaben und die noch schärferen hausinternen Richtlinien übertroffen. Zugegeben - das Hebelverhältnis Mensch/Handbremse kann in Einzelfällen zu Problemen führen, weil die Handbremse auf dem Kardantunnel individuell vielleicht zu hoch und zu weit hinten angeordnet ist.

Unsere Handbremse hat zwölf Zähne, spätestens am sechsten Zahn rastet sie bombensicher ein. Wir nehmen die Kritik aber ernst und werden den Winkel der Verzahnung deshalb enger machen." Ein Beispiel stellvertretend für andere, das zeigt, wie man Worten Taten folgen läßt. Wenngleich sich in der Praxis und im Fahrtenbuch des Omega Caravan unterschiedliche Testerstimmen zu Wort meldeten. Einer schrieb: "Die Feststellwirkung der Handbremse ist jetzt viel sicherer als beim ersten Omega-Dauertestwagen (km-Stand 7972)."

Dagegen ein anderer mot-Redakteur zur Wirkung der Handbremse: "Erst auf der siebten Raste bewirkt sie etwas Ähnliches wie Feststellen (km-Stand 27056)." Dazu nochmals das Herstellerwerk: "Mit Modelljahr 1989 wurde der Belag für die Handbremse auf eine Qualität mit höherem Reibwert umgestellt. Damit wurde eine Reduzierung der Betätigungskräfte für das Halten am Berg von 30% erzielt."

Keine Kritik gab es während der folgenden Dauertest-Etappen zu fast allen anderen vorherigen Beanstandungen, sei es zum Getriebe, zur Kupplung oder zur Bordelektrik. Die Werkstattaufenthalte beschränkten sich deshalb im wesentlichen auf die Inspektionen. Bei denen wurde natürlich auch die bereits erwähnte Fußraumaufheizung zum heißen Thema. Erste Untersuchungen ergaben keine Anhaltspunkte für Mängel, auch vergleichende Temperaturmessungen im Stand schlossen den Heizkreislauf als Fehlerursache aus.

Doch gerade dann, wenn bei sommerlicher Hitze während der Fahrt das Öffnen des Schiebedachs für eine frische Brise sorgen sollte, gabs von unten warmen Fön. Da konnte letztlich auch die werksseitige Stellungnahme weder Auto noch Gemüter kühlen: "Omega Caravan und Omega Limousine sind im Fußraumbereich gleich konstruiert; auch die Art und Anordnung der Abgasanlagen sind bei Limousine und Caravan gleich. Die Erscheinung - Aufheizung im Fußraum, Fahrerseite - kennen wir; sie wird allerdings von uns nicht als Problem angesehen. Aus dem gesamten Versuchs- und Entwicklungsbetrieb - die Bandbreite unserer Fahrer ist bewußt vom Experten bis zum Normalverbraucher festgelegt - sind uns keine Reklamationen mit entsprechender Schwere bekannt geworden.

Ganz allgemein kann aber gesagt werden, daß eine gewisse Aufheizung bei hoher Motorlast trotz der Abschirmbleche nicht zu vermeiden ist. Allerdings werden die Temperaturen im Fußraum auch entscheidend von den Einstellungen der Belüftung und des Gebläses beeinflußt. Die Beobachtung, daß der beanstandete Effekt besonders bei offenem Schiebedach auftritt, haben wir nicht gemacht."

Nachdem der Omega Caravan zum Ende der ersten Erprobungshälfte aus dem Vergleich mit dem VW Variant als Testsieger hervorgegangen ist, konnte er im Verlauf der Reifeprüfung weitere Pluspunkte sammeln. Zur 45.000-km-Inspektion keine besonderen Vorkommnisse, Ölwechsel, hintere Bremsbeläge erneuern, keine Zusatzarbeiten am Testwagen erforderlich - "...unverändert ein Muster an Zuverlässigkeit."

Obwohl der Winter 1988/89 seinen Namen kaum verdiente, gabs dennoch einige Kostproben, mit denen der Omega seine Kältetauglichkeit unter Beweis stellen konnte. Selbst bei total vereister Karosserie ließen sich Türen und Heckklappe problemlos öffnen. Die Zentralverriegelung, die beim ersten Omega-Dauertestwagen mitunter eine unerfreuliche Eigendynamik entwickelte, blieb beim Caravan störungsfrei.

Das Zweiliter-Triebwerk startete stets spontan beim ersten Schlüsseldreh, das Getriebe quittierte nur die ersten Schaltvorgänge etwas unwillig, war aber ansonsten im gesamten Dauertest ein Muster für leichtes und präzises Schalten. Weniger zufrieden waren die Tester mit den nicht abklappbaren Wischern, die das Reinigen der Frontscheibe behindern. Der Heckscheibenwischer wurde dabei "erwischt", wie er unterhalb des beheizten Feldes seine Arbeit antreten mußte. Und so gut die mit der Heckscheibenheizung kombinierte Beheizung der Außenspiegel auch ist - besser wäre es, beide Funktionen zu trennen, zumal die lange Heizphase oft nur unnötig Strom verbraucht.

Wärmstens zu empfehlen an kalten Tagen ist die Heizung des Omega. Sie liefert sehr rasch wohlige Temperaturen im großen Innenraum. Hinzu kommt die feine Dosierbarkeit der Anlage sowie der Umstand, daß auch bei wechselnden Fahrgeschwindigkeiten ein Nachregeln kaum erforderlich ist.

Daß der Opel Omega mit seinem Ausstattungs- und Fahrkomfort, seiner windschlüpfrigen Karosserie und dem Super-Fahrwerk ein tolles Langstreckenfahrzeug ist, bewahrheitete sich einmal mehr mit dem Caravan.

Dieser glänzt noch zusätzlich mit variabler Nutzbarkeit, üppigem Laderaum und gekonnten Detaillösungen. Gepäckraum-Abdeckung und Ladenetz sind solide ausgeführt und mit nur wenigen Handgriffen ein- oder auszubauen.

Die große, ebene Ladefläche (1,12m x 1,10 m) erhält man fast im Handumdrehen:  beim Vorklappen der (mittig geteilten) Rücksitzlehnen wird ein teppichbezogenes Brett durch Federkraft bewegt mit nach von bewegt und schließt so paßgenau die Lücke.

Der Omega Caravan wurde im Dauertest aber nicht nur oft und gern als Vielzweck-Kombi, sondern mit Anhängerkupplung auch als Zugpferd benutzt. Im Fahrzeugschein stehen 1.250 kg zulässige Anhängelast, mit Sondergenehmigung dürfen auch 1.700 kg an den Haken. Besonders positiv wurde im Fahrtenbuch die automatische Niveauregelung vermerkt: "...ist eine ganz feine Sache. Der Caravan geht auch bei vier Personen und vollem Gepäckraum nicht in die Knie." Der Niveauausgleich sorgt damit für gleichbleibenden Federungskomfort und - bei einem beladenen Kombi besonders wichtig - für sichere Straßenlage.

Die guten Fahrleistungen im Kombi-Testvergleich bestätigte der Omega-Caravan auch während der zweiten Dauertesthälfte. Er erreichte bei den Abschlußmessungen mühelos die werksseitig angegebene Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h. Der etwas rauhe Motorlauf und das eher zähe Temperament ("In der Stadt wirkt der Omega etwas träge") ändern da nichts am guten Gesamtbild des Caravan mit 2.0i-Motor, Bosch-Motronic und geregeltem Drei-Wege-Kat.

Im Gesamtdurchschnitt über die 60.000 km-Distanz ergab sich ein Verbrauch von 11,2 Liter/100 km, etwas mehr als in der zweiten Testhälfte, aber in Anbetracht der abgeforderten Fahrleistungen und ausgiebigen Kombi-Nutzung ein sehr guter Wert.

Nachdem die Omega-Limousine im ersten Dauertest eine "saubere Weste" behielt, kam im März 1989 auch für den Caravan die Stunde der Wahrheit beim Abgastest auf dem Rollenprüfstand des Tuning- und Motorenspezialisten Oettinger in Friedrichsdorf. Nach der Prüfung zufriedene Gesichter: Grenzwerte NOx (Stickoxide) und CH (Kohlenwasserstoffe) nicht überschritten, CO am Limit.

Zum Dauertestabschluß schließlich die Schlußbewertung: der Gesamtzustand des Fahrzeugs nach zehnmonatiger Erprobung kann sich sehen lassen.

Selbst die sehr gründlich prüfenden Test-Ingenieure vom DEKRA und von der DAT konnten nichts Wesentliches entdecken. Eine kleine Beule im hinteren Seitenteil, ein paar Kratzer im silbermetallenen Blechkleid - 60.000 km hinterlassen eben trotz großer Sorgfalt fast immer kleine Blessuren.

Das so untadelige Erscheinungsbild führte in der Summe aller Bewertungspunkte sogar zu einem Rekord: nach 60.000 km harten Dauertest-Kilometern nur 29% Wertverlust für den Omega Caravan 2.0i CD.

Auch das ein Indiz dafür, daß der Omega heute in seiner Klasse als eine gute Wahl gilt.

Fazit:

Der Opel Omega 2.0i hat die Reifeprüfung bestanden. Und als Caravan verbindet er hervorragende Kombi-Qualitäten mit Komfort, guten Fahrleistungen und geringem Wertverlust.